Tagebuch 31.10.
Heute hieß es wieder früh raus – um 9:30 Uhr sollten wir startklar sein. Startklar! Ein großes Wort, wenn man noch mit dem Frühstück kämpft und der Kaffee nicht so richtig wirkt. Aber gut, der Tag ruft!
Unsere kleine Gruppe, wir beide mit Nam unserem wandelnden Geschichtsbuch auf zwei Beinen, bekam heute Verstärkung: Sechs neue Mitreisende Kathi und Uwe, Esther und Dirk, Eva und Christian, also insgesamt acht. Mehr Menschen, mehr Geschichten – und potenziell mehr Chaos.
Erster Programmpunkt: das Ho-Chi-Minh komplex mit -Mausoleum. Beton, Ehrfurcht und Geschichte pur. Nam sprudelte wie immer über vor Wissen – manchmal fragt man sich, ob der Mann ein eingebautes Wikipedia im Kopf hat. Zwei Stunden Geschichte bei Nieselregen und tropischer Luftfeuchtigkeit – ein Erlebnis der besonderen Art.
Dann weiter zum Literaturtempel ganze zehn Minuten Fahrt. Kaum angekommen, startete Nam wieder mit seiner Begeisterung für Geschichte, Bildung und Kultur. Wir standen da, klatschnass, aber fasziniert. Zum Glück endete der Rundgang am Markt, wo wir den Handwerkerinnen beim Weben zusehen konnten – Muster, so fein, dass man fast Angst hatte zu blinzeln, um nichts zu verpassen.
Zeit für eine Pause! Wir stürzten uns über die Straße (was in Hanoi eher einem Überlebensspiel gleicht) und landeten im Café. Cappuccino für uns, Eierkaffee für die Mutigen. Fazit der Tester: „Seltsam, aber gut!“ – was in Vietnam übrigens auch das Motto für vieles sein könnte.
Da der Regen weiterhin meinte, er sei der Hauptdarsteller des Tages, wurde das Programm leicht angepasst. Nächster Halt: der Rote Tempel am See mit der noch röteren Brücke. Schon oft bewundert, diesmal auch offiziell besucht – und natürlich wieder mit vielen Geschichten, die zwischen Legende und Lehrbuch pendelten.
Dann kam das große Abenteuer: Rikscha-Fahrt durch Hanoi! Eine Mischung aus Sightseeing, Nervenkitzel und leichter Lebensgefahr. Zwischen hupenden Mopeds, kreuzenden Fußgängern und abenteuerlichen Überholmanövern wünschte man sich gelegentlich einen Helm – aber hey, wir haben’s überlebt! Und irgendwie war’s richtig cool.
Pünktlich (und mit leichtem Adrenalinpegel) kamen wir zum Wasserpuppentheater. 45 Minuten pure vietnamesische Kunst – Puppen tanzen auf dem Wasser, begleitet von Musik, die zwischen melancholisch und ausgelassen pendelte. Skurril? Definitiv. Faszinierend? Auf jeden Fall!
Nach dem Applaus warteten draußen schon unsere zwei „Nachzügler“, die das Theater verpasst hatten, aber immerhin die nächste Vorstellung erwischten. Wir anderen spazierten durch die lebhaften Straßen zurück zum Hotel – zwischen Mopeds, Garküchen und hupenden Autos.
Jetzt erstmal Pause, Füße hoch, kurz durchatmen. Denn heute Abend steht der letzte Abend in Hanoi an – und wer weiß, vielleicht gibt’s ja noch einen Eierkaffee zur Feier des Tages.
Infos:
Das Mausoleum des Präsidenten Ho Chi Minh diente als Ruhestätte für den vietnamesischen Revolutionsführer und Präsident Ho Chi Minh in Hanoi / Vietnam. Es ist ein großes Gebäude im Zentrum des Ba Đình-Platzes, wo Ho, Vorsitzender der Arbeiterpartei Vietnams von 1951 bis zu seinem Tod 1969, am 2. September 1945 die Unabhängigkeitserklärung zur Gründung der Demokratischen Republik Vietnam las.
Vietnam ist stolz auf den ersten Präsidenten – Ho Chi Minh (oder Onkel Ho), den Helden der Nationalen Befreiung.
Ho Chi Minh ist der große Vater Vietnams, der sein Leben der Rettung des Landes vor Eindringlingen gewidmet hat.
Er wurde in eine gebildete Familie hineingeboren. Da er sehr jung war, drückte er sich bald als talentierter und patriotischer Mensch aus.
1930 gründete Ho Chi Minh die erste vietnamesische Kommunistische Partei. Unter der Führung seiner Partei kämpften die Vietnamesen erfolgreich gegen die französische Besatzung und hatten die eigene Unabhängigkeit, als er der erste Präsident Vietnams wurde.
Er respektierte seinen Beitrag und seine Modalität für die gesamte vietnamesische Familie und galt als der große Vater oder einfach als Onkel Ho.
Onkel Ho starb 1969 im Alter von 79 Jahren. Eigentlich bat er in seinem Testament um eine einfache Beerdigung und wollte eingeäschert und dann in drei Teilen des Landes begraben werden. Der Norden war der Ort, an dem er arbeitete und die vietnamesische Revolution anführte. Das Zentrum ist sein Heimatland und der Süden ist der Ort, an dem er 1911 ging, um einen neuen Weg zu finden, das Land zu befreien, und hatte seitdem wegen des Krieges keine Chance mehr, zurückzukehren
Als die Franzosen nach Hanoi kamen, verwandelten sie dieses Gebiet schnell in ein politisches Zentrum von Tonkin/dem Norden. Wie Sie heute sehen können, gibt es hier viele französische Gebäude, die früher Hauptfirmen und wichtige Büros unter französischer Herrschaft waren.
Der Literaturtempel auch Literaturpalast genannt, ist ein konfuzianischer, als Nationalakademie erbauter Anlagenkomplex im Westen der Altstadt. Im Jahr 1070 vom dritten Kaiser der Lý-Dynastie Thánh Tông (Lý Nhật Tôn) erbaut, stellt die Anlage bis heute zwar das Hauptheiligtum Vietnams dar,[1] gleichwohl handelte es sich von Anbeginn um die erste Akademie des Landes, in der mehr als 800 Jahre lang, zwischen 1076 und 1915, die Söhne der Mandarine und verschiedene Hochbegabte der bürgerlichen Aristokratie unterrichtet wurden. Der Tempel basiert auf der Grundlage des Konfuziustempels.. Er ist der bedeutendste Literaturtempel in Vietnam.
Erleben Sie ein Theater, das es so nur in Vietnam gibt: Ein Wasserpuppentheater – Marionettenspieler, die mit ihren Figuren im Wasser stehen und sie über Bambusstangen zu Leben erwecken. Es ist eine Kunstform, die seit jeher zu Festen in den Dörfern aufgeführt wird – oder wie in Hanoi im staatlichen Marionettentheater. Die Veranstaltungen sind zwar ausschließlich auf Vietnamesisch, aber wie so oft auf Reisen: man kann sich auch ohne Wörter verständigen. Die Musik während des Theaters und die Gestik der Marionetten sprechen eine Sprache, die alle Zuschauer verstehen.
Der Ursprung der vietnamesischen Theater liegt im 11. Jahrhundert und entstand in den ländlich geprägten Gebieten. So erzählen die meisten Geschichten von deren alltäglichem Leben, Landwirtschaft und Fischfang sind zentrale Themen. Auch die mystische Seite kommt nicht zu kurz: tanzende Löwen treten genauso auf wie die vier heiligen Tiere, der Drache, das Einhorn, die Schildkröte und der Phönix.