Heute ist es also soweit: Ich werde 75. Genau genommen schon seit Mitternacht. Aber ehrlich gesagt – ich fühle mich überhaupt nicht wie 75. Eher wie jemand, der gerade mitten in einem kleinen Abenteuer steckt und sich riesig freut, hier im hohen Norden unterwegs zu sein. Leider ohne Familie aber mit meiner Tochter Daniela an meiner Seite.
Der Tag startete ganz gemütlich mit einem ausgiebigen Frühstücksbuffet. Danach kam allerdings die erste sportliche Herausforderung: das winterfeste Anziehen. Wer glaubt, man zieht einfach eine Jacke an und geht raus, war noch nie im Februar in Tromsø.
Zuerst kurze Unterwäsche, dann lange Unterwäsche. Darüber Hose, Pullover, Winterjacke, Schal, Handschuhe, Mütze, dicke Socken und zum Schluss die Winterstiefel. Gute zehn Minuten dauert dieses Ankleideprogramm. Danach fühlt man sich ein bisschen wie ein gut gepolsterter Michelin-Mensch – aber immerhin warm.
So geschniegelt und winterfest verpackt machten wir uns wieder auf, Tromsø weiter zu erkunden. Wir schlenderten durch kleine Seitenstraßen, stöberten in Geschäften und ließen uns einfach treiben. Fuhren mit dem Bus kreuz und quer durch Tromsö. Natürlich besuchten wir auch die Eiskristallkirche. Für den Abend hatten wir schon ein Restaurant reserviert, und später wollten wir noch ein Mitternachtskonzert in der Kathedrale besuchen.
Zwischendurch stand allerdings noch eine sehr wichtige Mission auf dem Programm: ein Rentierburger! Dafür mussten wir ungefähr 20 Minuten in Wind, Eis und Kälte anstehen. Aber ich kann nur sagen: Es hat sich gelohnt. Der Burger war göttlich – vielleicht auch, weil wir inzwischen halb durchgefroren waren.

Der Tag verging wie im Flug. Am Abend machten wir uns ein wenig schick und gingen in unser reserviertes Restaurant. Wir genossen ein wunderbares Essen und ein Gläschen Wein. Auf die Rechnung schauten wir dann lieber nicht ganz so genau – aber an einem 75. Geburtstag darf man ruhig großzügig sein.
Danach bummelten wir gemütlich zurück Richtung Hafen. Dort fiel uns auf, dass einige Leute nach oben in den Himmel starrten. Natürlich schauten wir auch – sahen aber erst einmal… nichts.
Also gingen wir ein Stück näher ans Wasser, hoben unsere Handys und Kameras und richteten sie Richtung Himmel.
Und plötzlich: Ach du liebe Zeit!
Mit bloßem Auge sah man nur einen leicht weißen Streifen. Aber durch die Kameralinse verwandelte sich der Himmel in ein grünes Wunder. Streifen, Bögen, tanzende Schleier – alles bewegte sich über uns.

Wir standen da, mit offenem Mund, und konnten es kaum glauben.
Polarlichter. Endlich Polarlichter. Und das ausgerechnet an meinem Geburtstag.

Das Konzert in der Tromsö Kathedrale war ein wunderschöner musikalischer Abschuss für meinen Geburtstag.