Tagebuch 3.11.
Leider blieb das bessere Wetter aus. Wir hatten nur mäßig geschlafen, die Gedanken an das viele Wasser ließen uns nicht los. Beim Frühstück im Hotel bot sich uns ein trüber Anblick: Aus den großen Fenstern sahen wir noch mehr Wasser als am Abend zuvor. Auch Min war schon da und erklärte, dass einige der geplanten Ausflüge heute wohl ausfallen müssten. Ein leises Grummeln ging durch die Gruppe.
Nach dem Frühstück trafen wir uns in der Hotellobby, um zu beraten, wie es weitergehen sollte. Doch kaum standen wir dort, sahen wir, dass wir gar nicht mehr aus dem Hotel herauskamen – vor der Tür schwammen Boote! Verdutzt beobachteten wir die Szenerie, während der Regen weiter auf das bereits stehende Wasser niederprasselte.
Min erklärte uns, dass wir das Hotel verlassen müssen, da bei steigenden Wasser, der Strom abgeschaltet wird. Nach mehreren Telefonaten mit der Agentur bekam er grünes Licht: Wir durften noch am selben Tag weiter nach Da Nang bzw. Hoi An fahren – dorthin, wo das Wetter besser und die Straßen trocken waren.
Koffer waren schnell gepackt und so warteten wir darauf das Hôtel irgendwie verlassen zu können.
Kurz darauf erschien Min mit einem Boot, das uns zum Bus bringen sollte, der etwa 150 Meter entfernt auf höherem Gelände parkte. Also stiegen wir in das wackelige Gefährt, wurden über das braune Hochwasser geschippert und mussten die letzten Meter schließlich zu Fuß durchs schlammige Wasser waten – ein Erlebnis, das die Stimmung nicht gerade hob.
Doch schließlich saßen wir alle im Bus, das Gepäck wurde von tapferen Helfern herangetragen, und dann konnte es endlich losgehen. Unser Fahrer brauchte fast eine Stunde, um aus der überfluteten Stadt hinauszukommen – immer wieder versperrten Wassermassen den Weg. Doch irgendwann hatten wir es geschafft: Wir waren draußen, auf freier Strecke, und fuhren Richtung Da Nang.
Auf der Fahrt nach Da Nang sahen wir rechts und links der Straße riesige, überflutete Flächen – ganze Felder und Dörfer standen unter Wasser. Kein schöner Anblick, und so war die Stimmung im Bus zunächst eher gedrückt. Der Regen begleitete uns weiterhin, als wolle er gar kein Ende nehmen.
Unser Reiseführer Min gab sich jedoch alle Mühe, uns mit witzigen Geschichten und Anekdoten aufzuheitern. Und tatsächlich – nach einer Weile kehrte wieder etwas Lachen und Leben in die Gruppe zurück. Unterwegs legten wir einen kurzen Zwischenstopp ein, bei dem wir frische Austern probieren konnten. Eine willkommene Abwechslung – und die Gelegenheit, uns ein wenig die Beine zu vertreten.
Weiter ging es dann zum berühmten Wolkenpass, der auf rund 496 Metern Höhe liegt. Seinen Namen trägt er völlig zu Recht: Mal war alles in dichten Nebel gehüllt, dann wieder öffnete sich die Sicht und gab den Blick auf die Küste frei. Wir hielten für eine gute halbe Stunde, spazierten ein wenig umher und genossen die frische Luft – und spätestens da hob sich auch die Stimmung wieder merklich.
Geografisch gesehen trennt der Wolkenpass Nord- und Südvietnam – eine markante Grenze, nicht nur landschaftlich, sondern auch geschichtlich. Nach unserem kurzen Aufenthalt ging es wieder bergabwärts, die Straße schlängelte sich in engen Kurven durch das grüne Gebirge hinunter Richtung Küste.
Kurz darauf erreichten wir Da Nang. Schon von Weitem sah man die vielen Hochhäuser der modernen Stadt, doch bei näherem Hinsehen fiel auf, dass sich zwischen den glänzenden Neubauten auch zahlreiche unfertige oder verlassene Gebäude befanden. Ein seltsamer Kontrast, der der Stadt einen etwas ruhelosen Charme verlieh.
Bevor wir weiterfuhren, legten wir noch einen Zwischenstopp bei einem Steinmetzbetrieb ein. Dort konnten wir beeindruckende Arbeiten aus Marmor bewundern – kunstvoll gearbeitete Buddhas, Elefanten und viele andere Figuren, fein gemeißelt und poliert.
Um etwas Abwechslung in die Weiterfahrt zu unserem neuen Hotel zu bringen, legten wir unterwegs einen Halt bei den berühmten Marmorbergen ein. Mit dem Aufzug fuhren wir hinauf auf das Plateau, von wo sich ein beeindruckender Blick über die Umgebung bot.
Oben spazierten wir gemütlich umher, genossen die Aussicht und lauschten den Erklärungen unseres Reiseleiters, der uns viel Wissenswertes über die Entstehung der Berge und die dortigen Höhlen erzählte. Manche von ihnen beherbergen kleine Pagoden und Buddha-Statuen, die in den Felsen eingelassen sind – ein Ort, an dem sich Natur und Spiritualität auf eindrucksvolle Weise begegnen. Im Vietnam Krieg, dienten die Höhlen als Spital, um Verletzte zu pflegen. Dem Gegner waren die weitläufigen Höhlen nicht bekannt.
Mittlerweile waren wir alle etwas müde von der langen Fahrt und den vielen Eindrücken, sodass die Begeisterung langsam der Erschöpfung wich. Umso erleichterter waren wir, als Min schließlich wieder zum Einsteigen winkte – endlich ging es weiter Richtung Hoi An.
Als wir in Hoi An einfuhren, klingelte plötzlich Mins Telefon. Am anderen Ende war seine Agentur, die ihm mitteilte, dass das ursprünglich für uns vorgesehene Hotel – angeblich in einem trockenen Gebiet – nun doch nicht verfügbar war. Stattdessen sollten wir in das zuvor gebuchte Hotel zurückkehren. Ein wenig enttäuscht, aber mittlerweile an spontane Änderungen gewöhnt, nahmen wir es gelassen.
Am Hotel angekommen, stellten wir fest, dass auch hier die Straße leicht überflutet war. Doch dank unseres unermüdlichen Busfahrers schafften wir es erneut, trockenen Fußes ins Gebäude zu gelangen. Drinnen blickten wir uns etwas verdutzt an – irgendwie hatte sich alles anders entwickelt als geplant. Zentralvietnam hatten wir bis jetzt kaum zu Gesicht bekommen, und die Ausflüge in Hué waren, im wahrsten Sinne des Wortes, ins Wasser gefallen.
Trotz allem versuchten wir, den Humor nicht zu verlieren. Wir bezogen unsere Zimmer, trockneten uns ab und setzten uns später zusammen, um zu besprechen, wie es nun weitergehen sollte. Denn inzwischen kündigte sich auch noch ein Taifun an, der von den Philippinen her im Anmarsch war – und laut Prognosen direkt auf Da Nang zusteuern sollte.

Wenn schon, denn schon, dachten wir uns. Offenbar meinte es das Wetter in Zentralvietnam besonders gut mit uns – oder besser gesagt: besonders feucht.
So war es uns nicht möglich nachstehende Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.
Infos:
Hue ist eine ehemalige Kaiserstadt in Zentralvietnam, bekannt für ihre historische Bedeutung und ihr reiches kulturelles Erbe. Die Stadt liegt am Parfümfluss und war von 1802 bis 1945 die Hauptstadt des Landes unter der Nguyen-Dynastie. Heute ist Hue ein wichtiges Touristenziel mit Sehenswürdigkeiten wie der Zitadelle, Kaisergräbern und Pagoden, die einen Einblick in die kaiserliche Vergangenheit Vietnams bieten.
Kaiserliche Hauptstadt: Hue war von 1802 bis 1945 die Hauptstadt Vietnams und das Zentrum der Nguyen-Dynastie.
Zitadelle: Ein großer Komplex mit der „Verbotenen Stadt“, der die kaiserlichen Paläste und Tempel beherbergte.
Kaisergräber: Die Gräber der Nguyen-Kaiser sind über die gesamte Stadt und die umliegende Landschaft verstreut.
Pagoden und Tempel: Zahlreiche historische Pagoden und Tempel, wie die Thien-Mu-Pagode, sind wichtige religiöse und kulturelle Stätten.
Parfümfluss: Eine Bootsfahrt auf dem malerischen Fluss ist eine der beliebtesten Möglichkeiten, die Umgebung zu erkunden und die Sehenswürdigkeiten zu erreichen
. Willkommen in der Zukunft – willkommen in Da Nang.
Die einst beschauliche Kleinstadt, in der 1955 kaum 50.000 Menschen lebten, hat sich rasant entwickelt. Heute ist sie mit rund 1,1 Millionen Einwohnern die modernste Metropole Vietnams und zugleich die drittgrößte Stadt des Landes. Für Nostalgie und romantische Verträumtheit bleibt hier wenig Platz: Da Nang präsentiert sich futuristisch, dynamisch und wachsend – und das in alle Richtungen.
Gleichzeitig bildet die Stadt einen spannenden Kontrastpunkt in einer Region voller Kulturgeschichte. In unmittelbarer Nähe liegen gleich drei UNESCO-Welterbestätten:
- das charmante Hội An,
- das eher ruhige und traditionsbewusste Huế
- sowie die alte Cham-Tempelstadt Mỹ Sơn.
Sehenswürdigkeiten –
Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die Marmorberge, das Cham Museum und die Ba Na Hills mit der Goldenen Brücke
Da Nang – Geschichte (Zusammenfassung)
Der an einer Bucht gelegene und von hohen Bergen geschützte Hafen von Da Nang diente im Laufe der Jahrhunderte verschiedenen Mächten als Tor nach Vietnam:
- den Cham im 2. Jahrhundert,
- den Portugiesen ab 1535,
- den Franzosen ab 1847
- und schließlich den Amerikanern ab 1965.
Die Region um Da Nang war jahrhundertelang ein Zentrum des hinduistischen Champa-Reiches, bis sie 1471 von den Vietnamesen erobert wurde. Nur wenige Jahrzehnte später, 1535, landeten in der Bucht von Da Nang die ersten Europäer in Vietnam. Der Ruf der portugiesischen Handelsniederlassung Faifo (dem heutigen Hội An) zog Händler aus China, Japan, Siam und Java an, die aus der kleinen Hafenstadt ein blühendes Gemeinwesen machten.
In den Jahren 1847 und 1858 beschossen französische Kanonenboote Da Nang unter dem Vorwand, gefangene Missionare befreien zu wollen. Zwischen 1883 und dem Ende der Kolonialzeit stand Da Nang unter französischer Verwaltung und trug die Bezeichnung Tourane. Als einziger Ort in der Region erhielt die Stadt eine Form der Selbstverwaltung durch die kolonialen Behörden.
Als im März 1975 etwa 75.000 Soldaten der südvietnamesischen Armee gemeinsam mit ihren US-Beratern nahezu kampflos die Flucht ergriffen, brach die Verteidigung Zentralvietnams vollständig zusammen. Dieser Zusammenbruch leitete den schnellen militärischen Fall Südvietnams ein, der nur wenige Wochen später in der Einnahme Saigons und dem Ende des Vietnamkriegs gipfelte.
Im Jahr 2025 feiern „50 Jahre Vietnam“ sowohl das 50-jährige Jubiläum des Endes des Vietnamkriegs im April 1975
Marmorberge – Benannt wurden die Felsen nach den fünf Elementen der traditionellen östlichen Philosophie: Metall, Holz, Wasser, Feuer und Erde. Thuy Son, der Wasserfelsen, ist der höchste der fünf Berge, sofern man bei 106 Metern von einem Berg sprechen kann. Doch es gibt gute Gründe für den neumodischen, jüngst installierten Aufzug, der optisch so gar nicht in die wunderbare Landschaft passt und die Besucher vom Erdboden bis zum Rundweg oben transportiert. Wer den Thuy Son jedoch über 156 steile Stufen zu Fuß erklimmt, spürt den Aufstieg noch lange in den Muskeln.