Tagebuch 04.11. Dienstag
Irgendwie war unsere Reiseplanung nun völlig durcheinandergeraten. Durch die vorzeitige Abreise aus Hué waren wir einen Tag früher als geplant in Hoi An gelandet. Auch hier standen manche Straßen noch immer unter Wasser – wenn auch längst nicht so schlimm wie im Norden. Wir waren gespannt, was unser Reiseleiter Min uns nach dem Frühstück zu berichten hatte.
Die Neuigkeiten waren allerdings alles andere als beruhigend: Der Taifun, der sich bereits über dem Meer zusammengebraut hatte, bewegte sich tatsächlich Richtung Vietnam. Selbst wenn er nicht direkt auf uns treffen würde, so erklärte Min, müssten wir in den kommenden Tagen mit starkem Regen und heftigen Windböen rechnen. Das würde heißen, dass der Flughafen von Da Nang für Tage gesperrt sein würde. Auch wäre es nicht möglich das Hotel zu verlassen. Was für Aussichten und was tun?
Als erstes galt es mal das Beste aus dem Tag machen.
Min schlug vor, das Programm etwas umzustrukturieren und die geplante Radtour vorzuziehen, da ein Rundgang durch die engen Gassen von Hoi An oder der Besuch der Chuang-Ong- und Phuc-Khin-Pagoden momentan nicht möglich war. Also standen nach dem Frühstück die Fahrräder bereit – und wir machten uns auf den Weg zum kleinen Dorf Tra Que.
An Wiesen, Reisfelder und Fischweiher entlang gelangen wir zum Dorf Tra Que und seiner Bio Gärtnerei .
Dort spazierten wir durchduftende Gemüsegärten, durften selbst ein bisschen mit anpacken, in der Erde buddeln, Pflanzen einsetzen und gießen. Zur Belohnung gab es anschließend ein wohltuendes Fußbad, eine kleine Fußmassage und sogar eine kurze Schultermassage – eine herrliche wohltuende Überraschung!
Danach stand das Mittagessen auf dem Programm, das wir selbst zubereiten sollten. Gespannt beobachteten wir unseren Koch, wie er Reismehl mahlte und uns veranlasste die Mühle zu betreiben. Anschließend zeigte uns der Koch wie die hauchdünnen Reisplatten und Pfannkuchen gebacken werden. Auch da durften wir alle die Kunst des Backens üben.
Nach getaner Arbeit wurden wir mit einem 3 Gänge Menü überrascht, das wirklich köstlich war.
Bei einem kleinen Schnaps zum Abschluss kam dann das Gesprächsthema auf, das uns alle beschäftigte: der Taifun. Laut Prognosen sollte er spätestens am Freitag auf die Küste Da Nang treffen – also genau hier. In der Gruppe entbrannte eine heftige Diskussion. Einige wollten abwarten, andere – darunter auch wir – wollten lieber kein Risiko eingehenden morgen Mittwoch vorzeitig nach Saigon fliegen.
Min telefonierte unermüdlich mit seiner Agentur, doch anfangs schien dort niemand bereit, eine Umbuchung zuzulassen. Die Stimmung wurde zunehmend angespannt, sogar ein wenig aggressiv und irgendwie waren wir auch uneins was richtig/besser oder ist. Min telefoniert zigmal und bekam mal den Einen oder Anderen Vorschlag, den er uns unterbreitete. Keiner stellte uns alle zufrieden.
Es war insgesamt trotzdem ein toller Tag mit vielen neuen Eindrücken. Auf dem Rückweg zum Hotel machten wir noch einen kleinen Abstecher durch die Altstadt von Hoi An, um wenigstens einen kurzen Eindruck von dem charmanten Ort zu bekommen. Überall waren Touristen unterwegs, die trotz der feuchten Straßen das Beste aus dem Tag machten.
Einen kurzen Halt in einer Seidenweberei gab es auch. Dort konnten wir zusehen, wie die feinen Fäden aus den Kokons (1000m aus einem Kokon) gesponnen und anschließend auf den Webstühlen verarbeitet wurden. Es war faszinierend, die verschiedenen Arbeitsschritte zu beobachten – vom winzigen Faden bis zum glänzenden Stoff. Besonders spannend war es, die unterschiedlichen Webtechniken und Muster zu sehen, die mit viel Geduld und Präzision hergestellt werden. Natürlich gab es auch einen kleinen Verkaufsraum, und so fand das ein oder andere gute Stück den Weg in unsere Taschen
Auch die bekannte japanische Brücke konnten wir besichtigen – wenn auch mit leichten Hindernissen, denn ein Stück des Weges stand wieder einmal unter Wasser. Mit etwas Geschick und viel Gelächter schafften wir es trotzdem hinüber.
Am Hotel angelangt, konnte uns Min mitteilen, dass wir alle Mittwoch Abend vorzeitig nach Saigon fliegen können. Ein kollektives Aufatmen, aber auch grummeln, ging durch die Gruppe. Endlich etwas Gewissheit – und das Gefühl, der aufziehenden Sturmfront rechtzeitig zu entkommen.
Im Hotel machten wir uns frisch und ruhten bevor wir uns am Abend zu Fuß auf den Weg zu einem von Min empfohlenen Restaurant machten. Der Spaziergang war angenehm, die Straßen zwar noch feucht, aber immerhin passierbar.
Das Abendessen war – wie schon so oft auf dieser Reise – einfach gigantisch. Wir wurden köstlich bewirtet, genossen die vietnamesischen Spezialitäten und ließen den ereignisreichen Tag in entspannter Stimmung ausklingen. Zufrieden und ein wenig erschöpft kehrten wir später ins Hotel zurück und fielen müde, aber glücklich ins Bett.
Anmerkung
Hội An – Kleine Information zur Stadt
Die kleine Küstenstadt Hội An gilt laut UNESCO als ein außergewöhnlich gut erhaltenes Beispiel eines südostasiatischen Handelshafens aus dem 15. bis 19. Jahrhundert. Hier verschmolzen im Laufe der Zeit einheimische und fremde Kulturen – vor allem chinesische und japanische Einflüsse, später auch europäische.
Neben dieser eindrucksvollen Zeitreise hat Hội An noch weitere Stärken: Die verkehrsberuhigte Altstadt mit ihren bunten Seidenlampions, kleinen Geschäften und charmanten Restaurants sorgt für eine einzigartige Atmosphäre. Und nicht zuletzt macht der nahegelegene Sandstrand An Bang Hội An zu einem traditionsreichen Lieblingsort vieler Besucherinnen und Besucher.
Geschichte von Hội An
Bronze- und Keramikfunde weisen darauf hin, dass das Gebiet von Hội An bereits vor mehr als 2.500 Jahren besiedelt war. Zwischen dem 2. und 10. Jahrhundert war Hội An der Haupthafen des Cham-Reiches. Die Cham waren gefürchtete Seefahrer und Piraten, entwickelten sich jedoch auch zu erfolgreichen Händlern, die großen Reichtum erlangten.
Chinesische Dokumente belegen einen florierenden Gewürz- und Seidenhandel, der sich von China bis Java sowie von Südindien bis Persien und Arabien erstreckte – praktisch über die halbe damals bekannte Welt.
Als 1535 portugiesische Schiffe bei Da Nang landeten, errichteten sie – mit Zustimmung der Nguyễn-Fürsten von Huế – ihre ersten Handelsniederlassungen im südchinesischen Meer. Der Ruf der Portugiesen, insbesondere ihrer Musketen und Kanonen, die sich günstig gegen Naturprodukte wie Zimt, Pfeffer, Edelhölzer, Korallen und Rohseide eintauschen ließen, lockte Händler und Spekulanten aus China, Japan, Siam und Java nach Hội An.
Japanische Brücke, auch Chùa Cầu (Brücke aus der Ferne))[1], ist ein historisches Baudenkmal der Stadt Hội An
Der Bau der Brücke vereinigte zwei historische Stadtviertel, das chinesische einerseits, das japanische andererseits. Die Grenze zwischen den Gebieten stellt die 18 m lange, überdachte Chùa Cầu dar, die über einen Nebenfluss des Thu Bon führt. Die Bauzeit der ersten Variante der später mehrfach zerstörten Brücke erstreckte sich über zwei Jahre von 1593 bis 1595. Der Bau ist auf Kaufleute einer wohlhabenden japanischen Handelsgilde in der Stadt zurückzuführen.