Tagebuch – 05.11. Dienstag
Wieder einmal heißt es: früh aufstehen, Koffer packen, weiterziehen.
Ich glaube, es war gefühlt zum 100mal, dass wir nur eine Nacht im Hotel verbracht haben. Langsam nervt’s – ehrlich. Meine Reisetasche schaut mich inzwischen an, als würde sie sagen: „Schon wieder?!“
Bevor es zum Flughafen nach Da Nang geht, gibt es aber noch etwas Kultur – schließlich wollen wir nicht völlig ungebildet in den nächsten Flieger steigen. Auf dem Programm stehen die Tempelruinen von Mỹ Sơn.
Also ab in den Bus! Über eine Stunde holperten wir Richtung Mỹ Sơn. Das Gebiet dort ist eine Mischung aus Parkanlage, Dschungel und archäologischem Abenteuerspielplatz. Mal liefen wir zu Fuß, mal tuckerten wir in einem Elektroauto herum – je nachdem, welche Ruine als nächstes anstand.
Zu Fuß marschierten wir von Tempelrest zu Tempelrest und staunten darüber, was die Cham vor über tausend Jahren mit ihren roten Ziegelsteinen alles geschaffen haben: Tempel, Heiligtümer, Grabanlagen. Selbst halbe Ruinen wirken noch beeindruckend.
Am Nachmittag verließen wir das Gelände wieder und machten uns direkt auf den Weg zum Flughafen. Unser Flug nach Saigon bzw. Ho-Chi-Minh-Stadt sollte gegen 17 Uhr starten.
Am Flughafen angekommen – pünktlich, wohlgemerkt – stellten wir erst einmal fest, dass unser Flug Verspätung hat. Überraschung! Aber mittlerweile sind wir ja wahre Meister der Gelassenheit. Wenn etwas auf dieser Reise verlässlich ist, dann die Unzuverlässigkeit der Abflugzeiten.
Schwerer fiel uns allerdings der Abschied von Min. Er hat sich unermüdlich, engagiert und mit einer sympathischen Portion Humor um uns gekümmert. Wir haben ihn richtig dolle gedrückt – einerseits aus Dankbarkeit, andererseits vielleicht auch ein bisschen, damit er uns nicht doch noch heimlich wieder zum Bus zurückschickt.
Dann hieß es: ab zum Einchecken. Finger kreuzen, dass Koffer und Nerven heil in Saigon bzw. Ho-Chi-Minh-Stadt ankommen.
Mal sehen, was uns dort erwartet – es bleibt spannend!
In Saigon gut gelandet, machten wir uns auf die altbekannte Disziplinübung: Gepäck suchen. Ein Koffer kam gefühlt aus dem Norden, einer aus dem Süden, einer machte wohl noch eine private Rundreise über das Förderband – aber irgendwann hatten wir sie alle.
Mit vollgepackten Armen marschierten wir Richtung Ausgang … und schwupp!
Da standen wir vier – Kathi, Uwe und wir – ganz allein auf weiter Flur.
Kein Reiseleiter. Kein Schild. Kein vertrautes Gesicht aus unserer Gruppe.
Wir schauten uns an wie vier Menschen, denen man gerade gesagt hat, dass der Bus ohne sie abgefahren ist. Also liefen wir ein paar Mal auf und ab, als würden wir heimlich an einem Marathon teilnehmen. Nichts. Niemand.
Also Plan B: eine Etage tiefer zu den Taxis und Bussen. Auch dort: gähnende Leere, zumindest was uns betraf. Nach langem Hin und Her, einigen nervösen Blicken aufs Handy und einer wackligen Kontaktaufnahme irgendwohin, hatten wir endlich jemanden erreicht. Und siehe da – schon tauchte ein Ersatzreiseführer auf und sammelte uns wieder ein, wie verlorene Entchen.
Im Kleinbus ging es zu einem Ersatzhotel – wir waren nämlich, wie schon die letzten Tage, wieder einmal einen Tag zu früh an unserem nächsten Reiseziel. Unsere Koffer kann man inzwischen vermutlich im Schlaf selbst ein- und auspacken.
Kurz im Zimmer angekommen, wollten wir nur noch eins: Essen!
Unser Reiseleiter führte uns in ein kleines Restaurant, wo wir endlich im Trockenen saßen und ein warmes Abendessen bekamen. Die Laune stieg proportional zum Füllstand unserer Mägen.
Zurück im Hotel fielen wir müde ins Bett. Morgen soll uns unser neuer Reiseführer Hung begrüßen und erklären, wie es weitergeht.
Wir sind gespannt – und leicht traumatisiert vom Flughafenspurt.
Information zu ….
Mỹ Sơn (vietnamesische Aussprache: [mǐˀ səːn]) ist eine Ansammlung von verlassenen und teilweise zerstörten Shaiva-Hindu-Tempeln in Zentralvietnam, die zwischen dem 4. und 13. Jahrhundert von den Königen von Champa, einem indianisierten Königreich des Cham-Volkes, erbaut wurden.[ 1][2] Die Tempel sind der Verehrung Gottes in Übereinstimmung mit dem Shaivismus gewidmet, in dem Gott Shiva oder Der Glückliche genannt wird. In diesem speziellen Komplex wird er unter verschiedenen lokalen Namen verehrt, von denen der wichtigste Bhadreshvara ist.
Die Tempel befinden sich in einem etwa zwei Kilometer breiten Tal, das von zwei Bergketten umgeben ist.
Vom 4. bis zum 13. Jahrhundert n. Chr. war das Tal von Mỹ Sơn ein Ort religiöser Zeremonien für Könige der herrschenden Dynastien von Champa sowie ein Grabplatz für Cham-Könige und nationale Helden. Es war eng mit den nahe gelegenen Cham-Städten Indrapura (Đồng Dương) und Simhapura (Trà Kiệu) verbunden. Zu einer Zeit umfasste die Stätte über 70 Tempel sowie zahlreiche Stelen mit historisch wichtigen Inschriften in Sanskrit und Cham.
Mỹ Sơn ist vielleicht die am längsten bewohnte archäologische Stätte auf dem südostasiatischen Festland, aber ein großer Teil seiner Architektur wurde während einer einzigen Woche des Vietnamkrieges durch US-Bombardierungen zerstört.